GRÜNDUNG UND FRÜHZEIT:

Die Erfindung des europäischen Porzellan durch Johann Friedrich Böttger auf der Grundlage der Versuche von Ehrenfried Walter von Tschirnhaus 1708 war für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit von großer Bedeutung.
Die anschließend 1710 von König August dem Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, gegründete Porzellan-Manufaktur Meissen® ist die erste europäische und im 18. Jahrhundert lange Zeit führende Porzellan-Manufaktur.
Sie setzte die Maßstäbe und schuf die Prototypen für die europäische Tafelkultur und figürliche Plastik. Neben der umfangreichen Produktion von Servicen und Luxusporzellanen für den Bedarf des Dresdener Hofes wurden unzählige Figuren und Gruppen modelliert.

Böttgers Leistung bestand vor allem darin, neben der Organisation des Herstellungsprozesses
von Steinzeug und Porzellan in der Manufaktur verschiedene Künstler und Kunsthandwerker
für die Gestaltung seiner Produkte gewonnen zu haben.
Die ersten wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten der Manufaktur waren der Goldschmied
Johann Jacob Irminger und die Bildhauer Balthasar Permoser und Benjamin Thomae.
An Stelle der Nachahmungen chinesischer Vorbilder wurden nun neue Modelle in europäischer 
Manier produziert. Die Ornamente und Reliefauflagen sind dem Stil gleichzeitig getriebener Silberarbeiten ähnlich. Bei Böttgersteinzeug war durch Glasuren, Schliff und Polituren, Lackierung und Vergoldung eine Vielfältigkeit der Dekoration gegeben.

1720 kam der Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt an die Porzellan-Manufaktur Meissen®. Er gilt als Schöpfer der europäischen Porzellanmalerei . Bis 1731 gelang ihm die Entwicklung von 16 verschiedenen Farben. Höroldt erfand die Chinoiserien, Kauffahrteiszenen und zahllose andere Dekore. Die zunächst meist einfachen, glattwandigen Gefäße waren mit Szenen dekoriert, die von geschweiften breiten Goldrahmen aus Bandelwerk gefasst wurden.
Einer der besten Mitarbeiter Höroldts war der Maler Adam Friedrich von Löwenfinck, der sich
mit einer kraftvollen Farbgebung und naiv-erzählerischen Darstellung deutlich von den übrigen Malern der Höroldt-Werkstatt absetzte.

Bis 1727 verfügte die Manufaktur über keinen Modelleur, sodass die frühen Figuren und Gefäße seit 1723 zumeist von dem Former George Fritzsche gemacht wurden.
Der Bildhauer Johann Gottlieb Kirchner war 1727-1733 erster Porzellanmodelleur der Manufaktur. Sein Hauptwerk sind die oft lebensgroßen Tierfiguren für das Japanische Palais.

Künstler der Frühzeit:

Johann Friedrich Böttger (1682-1719)
Johann Jacob Irminger (1635-1724)
Balthasar Permoser (1651-1732)
Johann Benjamin Thomae (1682-1751)
Georg Fritzsche (1697-1756)
Johann Gottlieb Kirchner (1706-1768)
Johann Gregorius Höroldt (1696-1775)
Adam Friedrich von Löwenfinck (1714-1754)

DIE KÜNSTLERISCHE BLÜTEZEIT:

Seit 1731 bestimmte sein Nachfolger Johann Joachim Kaendler für eine Generation die Entwicklung der europäischen Tafelkultur und die der Figurenplastik.
Als gelernter Bildhauer entwickelte er eine nahezu leidenschaftliche Begeisterung für den neuen Werkstoff Porzellan und begann die Möglichkeiten und Grenzen des Materials voll auszuschöpfen.
Er systematisierte das gesamte Geschirrprogramm durch ein einheitliches Gestaltungsprinzip.
Mit dem von ihm geschaffenen Gebrauchsformen schuf er einen umfangreichen Formenschatz der sich über ganz Europa ausbreitete.
Daneben modellierte er lebensgroße Tierplastiken und kleine Porzellanfiguren für die höfischen Tafeln , Kamine, Konsolen und Kommoden.
Er verewigte in diesen Figuren die gesamte Hofgesellschaft, Narren, Bettler, Pilger, Komödianten, Handwerker, Bauern, Schäfer, Gärtner, Jäger und Soldaten, Pariser und Londoner Ausrufer, Bergleute, Japaner und andere Volkstypen, Götter der antiken Mythologie und Heilige.
Allegorien, Amoretten und Figuren der Affenkapelle bereicherten das Repertoire.

1735 wurde der Bildhauer und Modelleur Johann Friedrich Eberlein als getreuer Mitarbeiter
Kaendlers angestellt. Er schuf mehrere Figuren und die Reliefbordüren zu verschiedenen Servicen. Ihm folgte 1739 Johann Gottlieb Ehder, der vor allem als Gehilfe Kaendlers tätig war.
Peter Reinicke war ab 1743 an der Manufaktur und wurde als Mitarbeiter vor allem bei
Figurenserien eingesetzt, schuf aber auch selbständig diverse eigene Modelle.
Von 1746-1761 war Friedrich Elias Meyer in Meissen® tätig. Seine Modelle zeichnen sich durch
schlanke Proportionen und kleine Köpfe aus. Als sein Nachfolger kam Carl Christoph Punct an die Manufaktur, er schuf meist Kindergruppen mit länglichen Gesichtern und hoher Stirn.

Die malerische Dekoration war von Johann Gregorius Höroldt geprägt.
1725-1730 wurde in Meissen das Fondporzellan eingeführt. In der gleichen Periode entstanden
zahlreiche Nachahmungen ostasiatischer Dekore. Schon nach 1735 verdrängten Deutsche Blumen die Chinoiserien und japanische Dekore. Die Reserven der farbigen Fonds füllten jetzt
auch Landschaften, Jagddarstellungen, Reiterkämpfe, Tenier-Bauern und Watteau-Szenen. 
Ab etwa 1765 machte sich in Meissen zunehmend der französische Einfluss geltend. Fondporzellan mit radiertem Golddekor als Rahmen für Amoretten und Kindergruppen, mythologische Szenen und Vögel wurde beliebt.

Summary:

Kaendler ist der geniale Geist des Porzellan-Genres gewesen, der eine vollkommene Harmonie
zwischen Gefäßen und plastischer Dekoration herstellte. Seine Service gehören zu den Ikonen
der Porzellankunst wie das Schwanenservice und das Schneeballblütenservice.
Er hinterließ aber auch weltweit ein Erbe an unnachahmlichen Plastiken.
Die Figuren von Johann Joachim Kaendler sind die gefragtesten, die jemals in irgendeiner Periode hergestellt wurden. Sie gehören zu den phantasievollsten und liebenswürdigsten Erfindungen der deutschen Kunst überhaupt. Damit setzte er sich und der Porzellan-Manufaktur Meissen® ein Denkmal.

Mitarbeiter von Johann Joachim Kaendler (1706-1775):

1735 - 1749 Johann Friedrich Eberlein (1695-1749)
1739 - 1750 Johann Gottfried Ehder (1717-1750)
1743 - 1768 Peter Reinicke (1715-1768)
1748 - 1761 Friedrich Elias Meyer (1723-1785)
1761 - 1765 Carl Christoph Punct (-1765)
1764 - 1781 Michel Victor Acier (1736-1799)

DER ÜBERGANG ZUM KLASSIZISSMUS UND BIEDERMEIER:

1764 wurde der aus Paris kommende Bildhauer Michel Victor Acier als zweiter Modellmodellmeister angestellt. Seine Werke repräsentieren den Übergangsstil vom Rokoko zum Klassizismus. Als Mitarbeiter von Johann Joachim Kaendler war er an der großen russischen Bestellung von Katharina II. beteiligt. Nach Kaendlers Tod 1775 war er bis 1781 die führende Persönlichkeit an der Manufaktur. 
Acier schuf zahlreiche Kinderfiguren und Amoretten, unter denen die „Devisenkinder“ eine geschlossene Folge bilden. Seine wichtigsten Mitarbeiter waren Johann Carl Schönheit und Christian Gottfried Jüchtzer. Der Maler Johann Eleazar (Elias) Zeisig, genannt Schönau (Schenau) entwarf zahlreiche Gefäße und Figuren.
Neue Themen, gekennzeichnet von den Idealen einer bürgerlich bestimmten Gesellschaft,
beherrschten nunmehr die Porzellanplastik.

Ab Mitte der 1770er Jahre bestimmte die Nachahmung der antiken griechischen Werke die Arbeit der europäischen Porzellanmanufakturen. Für die Meissener Bildhauer ergab sich der
glückliche Umstand, dass Dresden eine bedeutende Sammlung antiker Originale und Abgüsse
erhielt. Ab etwa 1780 begann man in der Manufaktur an Modellen zu verkleinerten Nachbildungen berühmter antiker Figuren und Gruppen zu arbeiten.
Der Modelleur Johann Gottlob Matthäi fertigte in der Antikensammlung die Modelle für die Manufaktur. 1796 erhielt er den Posten des Inspektors der Skulpturensammlung.
Im selben Jahr erhielt Christian Gottfried Jüchtzer den Auftrag, Modelle nach den antiken Vorbildern herzustellen. 
Nach dem Weggang des Modellmeisters Acier hatte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen
dem Gehilfen Aciers, Johann Carl Schönheit und Jüchtzer entwickelt.
Die Ausführung dieser Meissener Modelle erfolgte in einem neuen Material, dem Biskuitporzellan, dessen raue Oberfläche an Marmor oder Alabaster erinnert.
Die Antike bot allerdings nicht nur für Plastiken und gemalte Dekore dekorative Motive, auch
die antiken Gefäßformen selbst wurden in Porzellan umgesetzt.
Wie andere Manufakturen stellte auch Meissen® Porzellane mit Biskuit-Reliefs auf farbigen Fonds im Stil von Wedgwood-Arbeiten her.
Landschaftsansichten, Allegorien, literarische Themen und Gemäldekopien waren die beliebtesten Dekore. Zugleich avancierte die Einzeltasse mit Stadtansichten, Porträts, Silhouetten und Monogrammen zum Repräsentationsgefäß.

Fortwährend hatte die Manufaktur mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die erst 
später durch technische Verbesserungen und Exporte nach England und Amerika, wo Formen des Rokoko begehrt waren, bewältig wurden.
In der Biedermeierzeit entstand kein eigener Figurenstil. Im Anschluss an die Antikenkopien blieben die Modelleure auch in den folgenden Jahrzehnten mit der Ausformung fremder Vorbilder beschäftigt. Büsten und Nachbildungen bedeutender Skulpturen der Bildhauer Christian Daniel Rauch, Johann Heinrich Dannecker, Bertel Thorvaldsen, Etienne Maurice Falconet und Jean Auguste Barre wurden modelliert.

Modelleure des Klassizismus und Biedermeier:

Johann Carl Schönheit (1730-1805)
Christian Gottfried Jüchtzer (1752-1812)
Johann Gottlob Matthäi (1753-1832)
Johann Daniel Schöne (1767-1843)
Franz Andreas Weger (1767-nach 1834)
Carl Gotthelf Habenicht (1800-1849)
Johann Eleazar Zeissig, genannt Schönau (1737-1806)

DIE HISTORISMUS ÄRA:

Die Neuausformungen von Modellen des 18. Jahrhunderts nahmen jedoch nach wie vor in der Gunst der Käufer den ersten Platz ein. Auf ihnen basierte die günstige finanzielle Entwicklung
Der Manufaktur.
In der folgenden Periode war Ernst August Leuteritz 1849 – 1886 Gestaltungsvorsteher an der
Manufaktur. Er bearbeitete vorhandene Gefäßformen, Figuren und Gruppen des 18. Jahrhunderts und verstand es hervorragend sie dem Zeitgeschmack anzupassen. Er bereicherte
die Modelle mit üppigen plastischen Blumen und verwendete vorhandene Figurenmodelle, wo immer sie passten. Dazu entwarf er lebhaft geschweifte Sockel mit opulentem Blütenbesatz,
auch deshalb um die gewünschten Ausmaße zu erreichen.
Leuteritz entwarf auch selbst Vasen, Uhren, Leuchter und Figuren im Stil des Neo-Rokoko und Neo-Klassizismus.
Heinrich Gottlob Kühn war 1814 zunächst Inspektor und 1833-1870 Direktor der Manufaktur,
Er entwickelte 1817 die Unterglasurfarbe Chromoxyd-Grün, die fortan neben dem Blau zum Bemalen von Servicen diente und erfand 1827 die leichte Glanzvergoldung.
Seit den 1830er Jahren wurden Gefäße nach französischen Vorbildern aus Pressglas abgeformt. 
Ab etwa 1865 fertigte man Reliefporzellane im Stil von Capo di Monte. Gleichzeitig wurde die
Malerei im Stil von Limoges-Email und die Platinmalerei entwickelt.
Künstlerisch sind die Jahre unter Kühns Direktion vor allem durch die Aufnahme historischer Stile geprägt. Stilistisch variierte man Ornamente aller Kunstepochen, oft gleichzeitig und nebeneinander. Damit wurde Meissen® bereits zu Beginn des Historismus jeder Geschmacksrichtung gerecht.
Außerdem wurde ein großer Teil der in den 1870er und 1880er Jahren hergestellten Modelle nach Entwürfen auswärtiger Bildhauer gefertigt, zum Teil handelte es sich um Verkleinerungen
von Großplastiken.
Der Nachfolger von Ernst August Leuteritz war der Bildhauer Emmerich Andresen. Er strebte
zum Monumentalen und pflegte die historischen Abwandlungen in gleicher Weise wie Leuteritz

Modelleure des Historismus:

Ernst August Leuteritz (1818-1893)
August Ringler (1837-1918)
Albert Georg Eras (1835-1907)
Emmerich Andresen (1843-1902)
August Thiel (1839-1920)

Freischaffende Künstler:

Ludwig Schwanthaler (1802-1848)
Ernst Julius Hähnel (1811-1891)
Johann Christian Hirt (1836-1897)
Johann Schilling (1828-1910)
Heinrich Schwabe (1847-1924)
Friedrich Rentsch (1836-1899)
Hugo Spieler (1854-1922)
Karl Röder (1854-1922)
Johannes Daniel Schreitmüller (1842-1885)
Heinrich Möller (1835-1929)
Heinrich Goeschl (1839-1896)
Hermann Hultzsch (1837-1905)
Rudolph Hölbe (1848-1926)
Adolf Rehm (1867-1952)

NEUORIENTIERUNG IM JUGENSTIL:

Die Manufaktur Meissen® befand sich zeitweilig in der Richtung künstlerischer Neuentwicklung
um die Jahrhundertwende in einem ungewohnten Rückstand.
Den entscheidenden Wandel brachte nach Andresens Tod die Berufung von Erich Hösel, der
1903-1929 Vorsteher der Gestaltungabteilung war.
Obwohl man schon seit 1895 moderne Modelle von Künstlern angekauft hatte, wurden erst durch Hösel die Bildhauer angeregt, der Manufaktur Entwürfe einzureichen und die jungen 
eigenen Mitarbeiter der Manufaktur erhielten entsprechend eine Förderung. Der in den 1890er Jahren noch recht kleine Kreis von selbstentwerfenden Künstlern vergrößerte sich nach 1900 beträchtlich. Das veränderte Verhältnis der Manufaktur zu ihren eigenen Künstlern drückte sich darin aus, dass auch diesen jetzt die Signierung ihrer Werke erlaubt wurde.
Für das Meissener Jugendstil-Porzellan waren die technischen Verbesserungen, die der 1873 an die Manufaktur berufene Julius Heintze in den folgenden Jahrzehnten entwickelte von maßgelblicher Bedeutung: Die Massemalerei in Pâte-sur-pâte, eine vielfältige Palette von Unterglasurfarben und ungewöhnliche Glasuren.
Die zahlreichen mit Unterglasurfarben bemalten, stilisierten Jugendstil-Figuren und Gefäße
mit „Ochsenblutglasur“, Kristallglasuren und Craquelé–Glasuren fanden großen Anklang.
Hösel nahm sich von Anfang an auch der Alt-Meissener Modelle an. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern versuchte er den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Aus den alten Formen
ließ er ohne zu „verbessern“ oder zu ändern neue Modelle fertigen, die sich möglichst an den
Originalen orientierten. Somit war Alt-Meissens Ursprünglichkeit wiedergewonnen.

Modelleure des Jugendstil:

Paul Helmig (1859-1939)
Erich Hösel (1869-1953)
Konrad Hentschel (1872-1907)
Rudolf Hentschel (1869-1951)
Theodor Eichler (1868-1946)
Alfred König (1871-1940)
Paul Walther (1876-1933)
Ivar Tillberg (1879-)
Philipp Lange (1879-1964)
Emmerich Oehler (1881-)
Arthur Lange (1875-1929)
Max Bochmann (1874-1942)

Freischaffende Künstler: 

Bernhard Hoetger (1874-1949)
Otto Jarl (1856-1915)
Erich Kleinhempel (1874-1947)
Paul Kratz (1884-nach 1962)
Rudolf Löhner (1890-1971)
Robert Ockelmann (1849-1915)
Friedrich Offermann (1859-1913)
Otto Pilz (1876-1934)
Adolf Rehm (1867-1952)
Walter Schott (1861-1938)
Karl Schüppel (1876-)
Martin Wiegand (1867-1961)
Paul Zeiller (1880-1915)
Willy Zügel (1876-1950)

DER NEUE HÖHEPUNKT IM ART DECO ZEITALTER:

1913-1933 war Max Adolf Pfeiffer Direktor der Porzellan-Manufaktur Meissen®. Die Bildhauer,
die bereits für andere Manufakturen erfolgreich tätig waren, verpflichtete Pfeiffer nun auch für Meissen®. Schon 1913 waren die Figuren aus dem Ballett „Carneval“ von Paul Scheurich in Meissen® ausgeformt worden. Scheurich blieb als freischaffender Künstler auch in den folgenden Jahrzehnten der Lieblingskünstler Meissens.
Ähnlich vielfältig ist das Werk des Tierbildhauers Max Esser, der ebenfalls als freischaffender
Künstler für die Manufaktur arbeitete. 1923-1931 war er Leiter des Meister-Ateliers. Neben zahlreichen Einzelfiguren schuf er den aus insgesamt 75 Teilen bestehenden Tafelaufsatz
„Reineke Fuchs“
Die entscheidende Neuheit des Jahres 1919 war die Nacherfindung und erstmalige Wiederverwendung des Böttgersteinzeugs. Unter Verzicht auf Farbe konzentrierten sich die in Böttgersteinzeug gefertigten Modelle ganz auf die plastische Form. Künftig entstanden viele der neuen Plastiken in drei gleichberechtigten Varianten: in weißem Porzellan ohne Bemalung, in weißem Porzellan mit farbiger Staffage und in Böttgersteinzeug.
Die Manufakturleitung blieb immer um Modelle berühmter Bildhauer bemüht.
Die Figuren von Ernst Barlach kann man als die ersten Beispiele einer neuen, vom Jugendstil
unabhängigen Porzellanplastik bezeichnen. Aus dem Nachlass von August Gaul erwarb Meissen® 1922 zwanzig Tierfiguren. Der Maler und Bildhauer Willi Münch-Khe entwarf ab 1925
und mit Unterbrechungen bis 1956 zahlreiche Gefäße und Dekore, schuf diverse Tierfiguren und berühmte literarische Figuren.
Im Gegensatz zum ornamentbetonten Jugendstil neigten die 1920er Jahre zu sparsam dekorierten, schlichten Formen. Zu den begabtesten eigenen Mitarbeitern der Manufaktur zählte seit 1911 Paul Börner. Er war ab 1930 Direktor der künstlerischen Abteilung. Paul Börner war einer der vielseitigsten und produktivsten Künstler der Manufaktur. Er entwarf
unzählige Gefäßformen, Dekore, Plaketten, Medaillen, schuf Figuren, Büsten und Masken.
Während des Nationalsozialismus entstanden neben zeitbezogenen Plastiken mit gesellschaftspoltischen Bezügen auch neue Arbeiten unpolitischen Charakters, vor allem Tierfiguren und weibliche Akte.

Modelleure des Art Déco:

Paul Börner (1888-1970)
Erich Oehme (1889-1970)
Alexander Struck (1902-1990)
Hermann Zeillinger (1882-1933)

Freischaffende Künstler:

Paul Scheurich (1883-1945)
Max Esser (1885-1945)
Ernst Barlach (1870-1938)
Gerhard Marcks (1889-1981)
August Gaul (1869-1921)
Richard Langer (1879-1950)
Ludwig Nick (1873-1936)
Willi Münch-Khe (1885-1960)
Franz Christophe (1875-1946)
Adelbert Niemeyer (1867-1932)

NEUBEGINN UND NEUSCHÖPFUNGEN

Bereits am 16. Mai 1945 (nach dem Kriegsende in Europa am 8. Mai) bekundeten die Manufakturangehörigen in einer Versammlung ihren Willen, das Werk gemeinsam wieder in Gang zu bringen. Die Friedensproduktion konnte zunächst nur in sehr bescheidenen Umfang anlaufen. Man begann mit dem Bemalen und dem Verkauf noch vorhandener Ware. 
Während der sowjetischen Verwaltung waren alle Abteilungen wieder arbeitsfähig geworden und die Produktion nahm einen überraschend schnellen Anstieg.
Von Heinrich Thein, der 1945-1949 als Leiter der Gestaltungsabteilung tätig war, stammt die
1947 entstandene Serie der Tierkreiszeichen.
1950 erhielt die Manufaktur als volkseigener Betrieb den Namen VEB Staatliche 
Porzellan-Manufaktur Meissen®. Der Meissener Modelleur Alexander Struck schuf in den 1950er Jahren unter anderem eine Vielzahl anekdotisch geprägter Figuren, das bezaubernde Frösche-Schachspiel sowie eine Serie von vierzehn Trachtenfiguren. 
Um der Forderung nach Neuentwicklungen gerecht zu werden, kaufte die Manufaktur Entwürfe freischaffender Künstler an. Von dem Bildhauer und Maler Friedrich Press erwarb die Manufaktur 1957-1961 diverse Modelle, zu seinen bekanntesten Werken gehört die Pietá in der Hofkirche in Dresden, die größte Figur die je in der Manufaktur hergestellt worden ist.

Für ein entsprechend neues Schaffen ab 1960 war das Kollektiv junger Künstler mit den Mitgliedern Rudi Stolle, Peter Strang, Heinz Werner und Ludwig Zepner ausschlaggebend.
Peter Strang schuf im Laufe von mehr als fünf Jahrzehnten hunderte Figuren, Reliefs, Objekte und Unikate. Die Breite seiner bearbeiteten Themen und Ausdrucksmöglichkeiten in Miniatur und Großplastik ist beeindruckend. Zu seinen ersten Arbeiten gehörten vor allem Tierplastiken.
Es folgte die Hinwendung zum Thema Theater, Zirkus und Märchen. Musizierende Tiere und Engel, Sportler und Genrefiguren vervollständigen das Repertoire. Im Laufe der Jahre veränderte er seine Formensprache. Werke von Peter Strang, vor allem seine Unikate sind Porzellane, die den Bereich der angewandten Kunst verlassen haben und als freie Plastiken der bildenden Kunst zuzuordnen sind. Der Name Peter Strang und das moderne Meissener Porzellan sind untrennbar miteinander verbunden.

Modelleure ab Mitte 20. Jahrhundert:

Heinrich Thein (1888-1969)
Alexander Struck (1902-1990)
Helmut Schulz (1906-1984)
Rudolf Rehbeil (1904-1984)
Gerhard Bochmann (1925-)
Dieter Hering (1941-)
Peter Strang (1936-)

Freischaffende Künstler ab Mitte 20.Jahrhundert:

Fritz Cremer (1906-1993)
Heinrich Drake (1903-1994)
Elfriede Reichel-Drechsler (1923-2009)
Otto Rost (1887-1970)
Friedrich Press (1904-1990)

KUNST DER NEUZEIIT:

Nach wie vor sind Peter Strang und seine Kollegen wichtige Repräsentanten des neuen Schaffens der Manufaktur. Viele ihrer Arbeiten gehören heute aber schon zum klassischen Erbe. Es ist eine neue Künstlergeneration die den heutigen Zeitgeist der Porzellan-Manufaktur Meissen® repräsentiert.
Jörg Danielczyk, der Peter Strang würdig nachfolgte, hat ebenso maßgeblich die plastische Sprache der Manufaktur geprägt und mit seinen Werken neue Dimensionen erschlossen.
Auch er hat jahrzehntelang unzählige Modelle und Unikate geschaffen, sein Wissen an eine Meisterklasse mit jungen Talenten weitergegeben.
Mit den zahlreichen Neuschöpfungen des nachrückenden Künstlerkollektives ist der Weg der Manufaktur in eine neue Gestaltungsperiode geebnet.

Zeitgenössische Modelleure:

Jörg Danielczyk (1952-)
Silvia Klöde (1956-)
Sieglinde Großer (1957-)
Andreas Ehret (1959-)
Sabine Wachs (1960-)
Gudrun Gaube (1961-)
Matthias Scholz (1967-)
Olaf Fieber (1966-)
Silke Ebermann (1967-)
Maria Walther (1988-)
Maximilian Hagstotz (1992-)

Zeitgenössische freischaffende Künstler:

Peter Makolies (1936-)
Regina Junge (1939-)
Angelica Saalmüller (1942-)
Hans Nübold (1942-)
Michael Weihe (1961-2012)
Jens Bergner (1964-)
Mariel Andrea Tarela (1968-)

SUMMARY

Selbst im 21. Jahrhundert rangieren die Werke der Meissener Altmeister im Interesse der weltweiten Käufer noch immer an erster Stelle.
Meissener Porzellane sind jedoch nicht nur die Schöpfungen des 18.Jahrhunderts, sondern auch die Summe aller künstlerischen Kräfte im Verlauf der Zeiten und Epochen.
Trotz aller Tradition wird jeder Zeitabschnitt von Kunstschaffenden geprägt, die vom jeweiligen Zeitgeist beflügelt sind. Die Meissener Porzellan-Manufaktur hat die Herausforderung angenommen und auch neue Wege zur künstlerischen Erneuerung gefunden.